Veranstaltungen Glaubenssache

Im Rahmen von Glaubenssache lancierte das Stapferhaus in Zusammenarbeit mit verschiedensten Partnern ein breites Veranstaltungsprogramm. Die Veranstaltungen dienten der vertieften und auch fach- und publikumsspezifischen Auseinandersetzung mit dem Thema Glauben und der Vernetzung mit Institutionen und Organisationen, die sich in der Glaubenssache engagieren.    

 

Feste der Religionen

Die Ausstellung Glaubenssache konnte nur punktuell Einblick geben in die Glaubenspraxis fremder Religionen. Mit der Veranstaltungs-Reihe „Feste der Religionen“ suchte das Stapferhaus die Zusammenarbeit mit nicht-christlichen Glaubensgemeinschaften. Gemeinsam mit diesen und der Fachorganisation „IRAS COSTIS“ (Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz) lud das Stapferhaus das Publikum  ein, die Rituale der wichtigsten religiösen Feiertage nicht-christlicher Organisationen kennen zu lernen und mitzuerleben.  

 

Loy Krathong                                                   

Partner: IRAS COTIS und Tempel Wat Srinagarindravararam in Gretzenbach,

Alle Religionen feiern. Ob mit Musik und feinen Speisen oder in stiller Besinnung mit Gebeten und Meditation – religiöse Feste durchbrechen den Alltag und setzen Akzente im Jahreslauf. Das Stapferhaus Lenzburg gibt während der Ausstellungsdauer von Glaubenssache zusammen mit Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften Einblick in die Rituale wichtiger Feiertage.

Die Veranstaltungsreihe wurde im Dezember mit dem Feiertag Loy Kratong eröffnet.

 

In einem ersten Teil der Veranstaltung führte Juthamas Renggli, Vizepräsidentin der Tempel Stiftung auf dem Gelände der Ausstellung „Glaubenssache“ in den Feiertag Loy Kratong ein. Die Thai-Buddhisten feiern jedes Jahr zu Ehren des fruchtbaren, reinigenden und Leben spendenden Wassers Loy Krathong, ein Lichterfest. In Thailand basteln an diesem Tag alle Familien aus Bananenblättern kleine Schiffchen, schmücken diese mit Kerzen, Räucherstäbchen, Blumen und Geld und lassen diese bei Einbruch der Dunkelheit auf einem See oder Fluss schwimmen – zu Ehren des Wassers und seiner Geister. Dass das Basteln solcher Schiffchen eine diffizile Angelegenheit ist, konnten die BesucherInnen der Veranstaltung selbst feststellen. Unter Anleitung von Frau Renggli, begleitet von vielen Anekdoten aus ihrer Kindheit, entstand ein Kratong (Schiffchen). Die exotischen Häppchen aus Thailand, die typischerweise an Loy Kratong gegessen werden, und die Führung durch Glaubenssache in Begleitung von Juthamas Renggli erweiterten den Einblick in den buddhistischen Feiertag.

 

Zwei Wochen später war das Stapferhaus zu Gast im buddhistischen Tempel Wat Srinagarindravararam in Gretzenbach. Die Stapferhaus Delegation wurde herzlich empfangen. Rita Lämmli, Vorstandsmitglied des Tempels, begleitete die Teilnehmenden durch die zweistündige Zeremonie und brachte ihnen mit ihren Erklärungen die Bedeutung der Rituale näher. Monotone Sprechgesänge, Opfergaben an die Mönche, mit Geld geschmückte Bäume und schliesslich viele geschmückte Loy Kratong-Schiffchen prägten den Anlass. Nach einem thailändischen Essen, mit unzähligen Spezialitäten und Gerichten.

 

Thai Pongal

11. Januar 2007, 19 bis 21 Uhr, Zeughausareal und

14. Januar 2007, 18.00 bis 21 Uhr, Sri Vishnu Thurkkai Amman Tempel, Adliswil

An Thai Pongal feiern die Hindus ihre Sonne, die Göttin Suryan und beten für schönes Wetter, reichhaltige Ernte und gute Gesundheit. Janooya Nadarajah vom Hinduverein Aarau gab im Zeughausareal Einblick in den Feiertag, zeigte wie sie Mandalas legt und brachte den Thai-Pongal-Reis zum Kosten mit. Anschliessend führte sie durch die Ausstellung. Drei Tage später luden die Hindus und das Stapferhaus ein, an der Thai Pongal Feier im Sri Vishnu Thurkkai Amman Tempel in Adliswil teilzunehmen. Der Hindu Priester Sarahanabavanantha Kurkkal und Janooya Nadarajah führten durch den Abend und standen für Fragen zur Verfügung. Im Anschluss waren alle herzlich zum gemeinsamen Essen eingeladen.   

 

Mevlid

30. März 2007, 19.30 Uhr,

Moschee Buchs

An Mevlid feiern die Muslime den Geburtstag ihres Propheten Mohammeds. In vielen Moscheen werden an diesem Tag Kerzen aufgestellt und an den Zusammenkünften Geschichten und Legenden aus dem Leben des Propheten erzählt. Die Exkursion führte in die Moschee des Türkisch-Islamischen Vereins Buchs. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen am Ritual teil und bekamen Erklärungen. Im Anschluss lud der Verein zu türkischen Köstlichkeiten.  

 

Ridván Fest

21. April 2007, 15 Uhr

Schloss Liebegg, Gränichen AG

Ridván ist Arabisch und ein Synonym für das Paradies. Es ist das heiligste und bedeutsamste Fest der Bahá'í und erinnert an die erste öffentliche Verkündigung der jüngsten Weltreligion durch den Religionsstifter Baha'u'llah im Garten Ridván. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten Einblick in die historische und geistige Bedeutung des Ridván-Festes, das jährlich weltweit von rund fünf Millionen Menschen gefeiert wird. Nach dem Ritual servierten die Bahá'í einen Apéro.  

 

Schawuot

23. Mai 2007, 19 Uhr,

Synagoge Baden

Die Juden feiern Schawuot fünfzig Tage nach dem Pessachfest. Schawuot, das auf Hebräisch «Wochen» bedeutet, wird auch das jüdische Wochenfest genannt und hat mehrere Bedeutungen. Es erinnert an den Empfang der Zehn Gebote am Berg Sinai, ist aber auch ein Erntedankfest, da zu dieser Zeit in Israel Weizen geerntet wird. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten Einblick ins Ritual und Informationen und Informationen zum Judentum. Im Anschluss wurde den Teilnehmenden der für Schawuot typische Käsekuchen serviert.  

 

Einführung für Lehrpersonen in die Ausstellung Glaubenssache

Oktober/November 06, an 4 Daten

Die Einführung für Lehrpersonen bereitete auf einen Ausstellungsbesuch mit Schulklassen vor und vermittelte Vorschläge zu deren Begleitung. Die zwei Stunden dienten auch dazu zu zeigen, wie die Glaubenssache im Schulzimmer thematisiert werden kann. Lehrpersonen werden täglich mit Glaubensfragen konfrontiert. Wie sollen sie mit der Glaubensvielfalt in der Schulklassen umgehen? Welche Rolle nehmen Lehrpersonen ein, wenn sie mit ihren SchülerInnen über Religionsthemen sprechen? Die Veranstaltung bot Raum für Diskussionen und Austausch rund um diese Fragen.

 

Familienführung

Die Veranstaltung wurde 6 mal durchgeführt

Die Familienführung ermöglichte Eltern einen kinderlosen Ausstellungsbesuch. Während die Eltern in einer guten Stunde durch die Ausstellung geführt wurden, bot die Pädagogin Liliane Hollinger den Kindern eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema. Sie erkundeten die Ausstellung auf eigenen Wegen, zeichneten ihre Glaubenssachen und hörten Franz Hohlers Geschichte vom Schutzengel.

 

Lesung mit Franz Hohler und Jürg Schubiger

Donnerstag, 15. März 2007, 20 Uhr

Franz Hohler und Jürg Schubiger lasen aus Aller Anfang. Wie ist unsere Welt entstanden? Woher kommen all die Sterne, die Sonne, die Erde und der Mond? Und das Meer? Und die Sprache, mit der die Menschen allen Dingen Namen gaben? Und überhaupt die Menschen - wie sind die denn auf die Welt gekommen? Eine Co-Produktion des Café littéraire der Kulturkommission Lenzburg und des Stapferhauses Lenzburg.  

 

Madonna!

Zu Fuss durch die Glaubenslandschaft des Sopraceneri

5. bis 7. Oktober 2007

 

Madonnen haben viele Gesichter. In „Glaubenssache“ erschien die Muttergottes auf Damenunterwäsche, goldgerandet als Ikone, als fromme Frau in Gips gegossen und sakral designt als  Weihwasserplastikflasche mit Drehverschluss. Madonnenverehrung ist grenzenlos und gehört noch heute zu den lebendigsten christlichen Glaubenstraditionen, auch in der säkularen Schweiz. Die Stapferhaus-Exkursion ins Tessin machte zum Abschluss des Projekts die Probe aufs Exempel. Neun Gläubige und Ungläubige machten sich während drei Tagen zu Fuss auf die Suche nach lebendigem Madonnenglauben im traditionell katholischen, heute längst multireligiösen Sopraceneri des modernen Tessins – und wurden fündig. Zuerst bei der Madonna degli Angeli von Scarpapè, mitten im Kastanienwald von Giubiasco. Ende der 1980er Jahre erschien dort einem selbst ernannten Seher wundersam die Madonna. Jeden 13.des Monats wiederholte sich das unsichtbare Wunder vor Hunderten von Gläubigen. Don Angelo Ruspini, Pfarrer von Giubiasco, führte die Exkursionsschar in die seither geschlossene Kapelle und machte unmissverständlich klar, was er vom Madonnenhokuspokus jener Jahre hielt, aber auch wie er heute mit aufgeklärten Methoden den Marienglauben in seiner Kirchgemeinde zum Thema macht. Zwei Stunden später erwartete bereits Fra Federico, Kapuzinerpater des Convento Madonna del Sasso, oberhalb Locarnos, den Besuch aus Lenzburg. Fra Federico, mit 78 Jahren einer der Jüngsten im Kloster,  trug sein Handy in der Kapuze, hörbar auf Empfang und auch sonst ein kommunikativer Mensch. Patchworkreligiös (wie er in Glaubenssache selber ermittelte) und als studierter Philosoph nicht nur der eigenen Religion gegenüber offen, führte er zusammen mit der Locarneser Kunsthistorikerin Elfi Rüesch in die Kunst- und Glaubenswelt der Wallfahrts-Madonna ein. Populär wurde die zierliche Teenager-Muttergottes erst 1949, als sie als Madonna pellegrina durch den ganzen Kanton Tessin auf Reise geschickt wurde. Heute ist das Kloster auf dem Felsen vor allem vielbesuchter Touristenort und die Madonna schmucker Bestandteil des Fotopoint Madonna del Sasso. Doch der Pfad der Volksfrömmigkeit führte die Exkursion weiter ins nahe, italienische Re, wo ein weiteres  Marienwunder, die Madonna del sangue, die aus der Stirn blutende Muttergottes samt pompöser Wallfahrtskirche und kircheneigenem Pilgerhotel warteten. Hin gings mit dem Zug, zurück anderntags zu Fuss. Das Valle Vigezzo und das schweizerische Centovalli sind gesäumt von Bildstöcken, Fresken, Kapellen und Kirchen, die an die überaus populäre Madonna di Re erinnern. Der zweite Tag führte auf dem alten Marktweg von Camedo über Verdasio nach Corcapolo und Intragna, wo der Madonnenlegendenforscher und Kurator des Talmuseums des Val Verzasca,  Paolo Binda, die Madonnenwanderer erwartete und bei Gazosa und Birra spinata Einblick in die Volksfrömmigkeit seines engen Tales gab. Der Pilgertag endete in Golino – natürlich im Hotel Madonna. Schliesslich, der dritte Tag in Sonogno, Val Verzasca, eine morgendliche Fahrt zum Fest der frisch renovierten Dorfkirche mit den beiden Madonnen, der offiziellen schwarzen in der Kirche und der weissen auf dem Estrich des Pfarrhauses. Die Exkursionsgruppe durfte beide sehen und war auf Einladung von Angelo Fratessa und des kongolesischen Talpfarrers Don Dario Solo auch offiziell zum Polentaessen der Kirchgemeinde eingeladen. Madonna! wurde unterstützt von der SRG SSR idée suisse mit historischen Filmaufnahmen aus dem Archiv der Televisione Svizzera della lingua italiana.

 

 

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