Ausstellungsrundgang
Intro
Rasen betreten verboten! Das Verbotsschild steckt in einem gepflegten, sattgrünen Rasenstück vor dem Ausstellungseingang. Wer in die Ausstellung gelangen will, muss auf einem schmalen Plattenweg die verbotene Rasenfläche durchqueren. Wer den legalen Weg verlässt, macht sich strafbar. Vier Videokameras überwachen das Geschehen vor dem Eingang und übermitteln die Bilder auf Schwarzweiss-Monitore an der Kasse.
strafen beginnt mit einer Regel, einem alltäglichen Regelbruch und der Überwachung von beidem. Die Besucherinnen und Besucher werden spielerisch mit dem Grundthema von strafen konfrontiert und ins Thema „hineingeworfen“.
Kasse, strafBar, Laden
An der Kasse stehen die BesucherInnen vor den Überwachungsmonitoren des Ausstellungseingangs. Sie werden von den Beobachteten zu Überwachenden. Sie realisieren, dass sie sich mit ihrem Ausstellungsbesuch ein Stück weit in eine (künstliche) Realität des Strafens und Bestraft-Werdens begeben.
Der Servicebereich markiert den Übergang vom spielerischen Einstieg zur eigentlichen Ausstellung. Zum Servicebereich gehören neben der Ausstellungskasse die Garderobe/Gepäckaufbewahrung, der Shop mit Büchern, Postkarten und Produkten aus den Läden verschiedener Schweizer Strafanstalten, ein Bürobereich der Ausstellungsadministration und ein kleines Minibar-Sortiment zur Verpflegung der AusstellungsbesucherInnen.
Fil rouge: Der Regelpfad
Taschen bitte abgeben.
Der Gebrauch von Handys ist in der Ausstellung gestattet.
Dieser Raum ist videoüberwacht.
Kopfhörer bitte an den Bügel zurückhängen.
Auch ein Ausstellungsbesuch funktioniert nur in einem dichten Regelwerk von geschriebenen und ungeschriebenen Verhaltensnormen und –anweisungen.
Die Ausstellung greift diese Ausstellungsrealität auf und macht sie subkutan zum Thema. Als typografisches Leitmotiv zieht sich der Regelpfad durch die ganze Ausstellung. Alle ausstellungsimmanenten Regeln tauchen einheitlich gestaltet und gut sichtbar in der jeweiligen Ausstellungssituation auf und sensibilisieren für die gelebten Konventionen im Alltag. Die Regeln sind nicht Parodie, sondern plausible Realität in der Situation des Ausstellungsbesuchs. Sie appellieren indirekt auch an die soziale Kontrolle der AusstellungsbesucherInnen.
Regeln
Du sollst nicht töten.
Man spricht nicht mit vollem Mund.
Wer eine Sechs würfelt, darf beginnen.
Wer unbefugt Betäubungsmittel vorsätzlich konsumiert wird mit Haft oder Busse bestraft.
Am Anfang jeder Strafe steht eine Regel. Ein langer Gang, eingefasst von hohen Mauern, führt vorbei an Gesetzen und Geboten. Eine Gesellschaft ohne Regeln ist nicht denkbar. Ein Regelwerk schränkt ein, bietet aber auch Schutz.
Straftat
Wer Regeln bricht, wird zur Täterin oder zum Täter. Die Aussenwand der Installation setzt sich aus Porträts von siebenhundert Menschen zusammen. Sie alle haben eine eigene Strafbiografie, als Strafende und Bestrafte. Im Innern des Raumes erzählen fünf TäterInnen von ihrer Straftat.
Straftyp, Strafzweck, Strafmethoden
Warum strafen wir und wie? Der achteckige Raum ist Herz und Hirn der Ausstellung. Ein Computer-Fragetest ermittelt den Straftyp der BesucherInnen und führt zu den verschiedenen Strafzwecken. Objekte, Bilder und Texte geben einen Einblick in die kulturhistorische Entwicklung der Strafmethoden.
Strafbiografien
ünf Lebensbahnen führen zu fünf verschiedenen Strafbiografien. Sie geben Einblick in Straferfahrungen – vom Gefängnisaufenthalt bis zur elektronischen Fussfessel. Wie prägend kleine und grosse Straferfahrungen im Alltag sind, zeigt eine Videoinstallation mit 40 kurzen Strafgeschichten.
Strafdebatte
„Es gibt unbehandelbare Täter, diese Hochrisikotäter muss man zum Schutz der Gesellschaft für immer weg schliessen.“ (Frank Urbaniok, Psychiater)
„Auch Täter haben Rechte. Niemand kann seine Ungefährlichkeit beweisen, wenn er nicht rauskommt.“ (Günter Stratenwerth, emeritierter Professor für Strafrecht)
„Mein Kind hatte auch keine zweite Chance“. (Mutter eines ermordeten Kindes)
Was ist erlaubt, was verboten? Wieviel Strafe braucht die Schweiz? Ein Hörbild lässt am Schlagabtausch teilnehmen. Es führt in die Strafdebatten des Nationalund Ständerates und der Arena von SF DRS.
Fallbeispiel
Der Griff nach dem Apfel zog die erste Strafe in der Geschichte der Menschheit nach sich. Das Ende der Ausstellung führt zu einem Fallbeispiel – und die Besucherinnen und Besucher in Versuchung.
|
Ausstellungsplan |












