Jenseits der Dinge.
Das Immaterielle zeigen
Tagung
Freitag, 27. Mai 2005, 14.30 bis 20.30 Uhr Stapferhaus Lenzburg, Schloss Lenzburg
Unterlagen Tagung Jenseits der Dinge vom 27. Mai 2005
Dinge zu zeigen, ist das eine. Die Bedeutungen, die diesen Dingen innewohnen, etwas anderes. Wie gehen Ausstellungsmacherinnen und –macher mit der Aufgabe um, die kulturelle Praxis „jenseits der Dinge“ zu zeigen? Was heisst es, das Immaterielle auszustellen? Welche Ansätze, Erfahrungen und Perspektiven lassen sich aus konkreten Projekterfahrungen herauslesen? Das Stapferhaus Lenzburg lädt vor dem Hintergrund seiner Ausstellung „strafen“ zu einer Tagung ein, die der immateriellen Kultur in Theorie und Praxis gewidmet ist.
Das Stapferhaus Lenzburg hat sich in den letzten Jahren regelmässig mit Ausstellungen zur Alltagskultur der Gegenwart zu Wort gemeldet. Das Zeigen des „Immateriellen“ war dabei fester Bestandteil der Herausforderung Ausstellung. Die Veranstaltung „Jenseits der Dinge“ ist eine Gelegenheit, die eigene Ausstellungsarbeit zu reflektieren. Zugleich ist sie Auftakt zu einer neuen Veranstaltungsreihe, die sich in Zukunft regelmässig mit Fragen zur Kommunikation im Raum auseinandersetzt.
Programm
12.45
Besuch von „strafen“ Führung durch die Ausstellung auf dem Zeughausareal Lenzburg mit Philipp Clemenz, Gestalter, und Nathalie Unternährer, Konzeptgruppe „strafen“
14.00
Busshuttle Zeughausareal – Bahnhof – Stapferhaus, Schloss Lenzburg
ab 14.00
Empfang / Anmeldung im Stapferhaus auf Schloss Lenzburg
14.30
Begrüssung / Einführung Beat Hächler,
Co-Leiter Stapferhaus Lenzburg
14.45
Die Dinge als Bedeutungsträger.
Was materielle und immaterielle Kultur verbindet
Walter Leimgruber, Prof. für Europäische Ethnologie und Projektleiter MAS Museum Studies, Universität Basel
Wissenschaftshistorisch hat die Aufteilung in geistige (immaterielle) und materielle Kultur eine lange Tradition. Ergiebiger ist jedoch die Frage, was die beiden Welten verbindet. Welche Bedeutungen werden Dingen zugeschrieben und wie kommt es zu diesen Bedeutungszuschreibungen? Ein semiotischer Ansatz zum Beispiel, der die Dinge als Zeichen liest, führt zwangsläufig über das Herzeigen der Dinge hinaus und thematisiert das "Jenseits der Dinge" - gerade im Medium Ausstellung.
15.30
Jenseits der Dinge.
Immaterielle Kultur als neue Herausforderung für Museen
Marie-Paule Jungblut, Direktorin Musée d'Histoire de la Ville de Luxembourg und Mitinitiantin der Int. Arbeitgruppe „Jenseits der Dinge. Ausstellungen und das Immaterielle“
Immaterielle Kultur soll in der Museumsarbeit künftig eine wichtigere Rolle spielen. Eine int. Arbeitsgruppe der ICOM, der die Referentin als Mitinitiantin angehört, bereitet für 2006 einen Kongress vor, der zum Umgang mit immaterieller Kultur Empfehlungen abgibt. Warum braucht es diese Initiative? Wo haben die Initiantinnen in der Museumsarbeit Defizite ausgemacht? Welche Ziele werden mittel- und langfristig verfolgt?
16.00
Diskussion
16.15
Pause
Praxisbeispiele
16.45
Den Dingen eine Stimme geben.
Schauspieler im Museumsdepot – eine Zwischenbilanz
Heinz Horat, Direktor Historisches Museum Luzern
Das Historische Museum Luzern präsentiert sich seit 2004 als Hochregallager. Schauspieler führen in thematischen Lagertouren mehrmals täglich durch das Reich der Dinge. Sie kleiden die Objekte in Geschichten und machen sie so erlebbar. Was hat die neue Form dem Museum und dem Publikum gebracht? Wie hat sich die Vermittlungsleistung gegenüber dem alten Museumskonzept verändert? Wo liegen die Knackpunkte des neuen Konzepts und wie gehen die Macher damit um?
17.10
Das echte Video.
Zeitzeugenaussagen als Exponat im Museum
Thomas Gull, Projektleitung „L’Histoire c’est moi“
Wie haben die Menschen in der Schweiz den Zweiten Weltkrieg erlebt? 555 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wurden zu ihren Erinnerungen und Erfahrungen befragt und dabei gefilmt. Aus der entstandenen Dokumentation, dem grössten Oral History-Projekt der Schweiz, entstand das Ausstellungsprojekt „L’Histoire c’est moi“, das in verschiedenen Schweizer Museen zu sehen war. Die Ausstellung konzentrierte sich ganz auf Text und Film und verzichtet ausdrücklich auf Objekte. Was leistet dieser Ansatz? Was leitete die Projektleitung bei der Auswahl der Filme? Was erzählen die Filme über die erzählte Geschichte hinaus? Warum Filme im Museum ausstellen und nicht nur über die ebenfalls erhältliche DVD verbreiten? Was unterscheidet eigentlich das Exponat Film vom Exponat Ding?
17.35
Dialog im Dunkeln.
Die Ausstellung als Soziallabor
Andreas Heinecke, Kulturunternehmer und Projektinitiant von „Dialog im Dunkeln“, Hamburg
Es gibt nichts zu sehen, aber viel zu erkennen. Die Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ führt die Besucherinnen und Besucher in eine Kommunikationssituation mit blinden Menschen, die im Dunkeln die Sehenden führen. Andreas Heinecke versteht die Ausstellung als Kommunikationsplattform und Soziallabor. Was zeigt eine Ausstellung, in der es nichts zu sehen gibt? Welche Rolle kommt den Ausstellungsbesucherinnen und –besuchern zu? Was heisst dieser Ansatz für die Museumsarbeit – und darüber hinaus?
18.00
Diskussion
ca 18.20 Pause / Imbiss
Podium
19.30
hinstellen – darstellen – ausstellen. Was leistet das Medium Ausstellung?
Thematische Ausstellungen wollen Wissen vermitteln, Sinn stiften und Bedeutungen erschliessen. Dieses Ziel verfolgen auch andere Formen der Kulturvermittlung. Wo liegen die Berührungspunkte der Ausstellung zu anderen Kunst- und Kommunikationsformen? Wo liegt die Stärke dieses Mediums? Das Podium blickt von aussen und von innen auf die Eigenheiten der Ausstellungsform und reflektiert die Inputs der vorangegangenen Referate. Das Publikum wird in die Diskussion einbezogen.
mit
- Regula Bochsler, Leiterin Kultur aktuell SF DRS, Zürich
- Marianne Burki, Leiterin Kunsthaus Langenthal
- Volker Hesse, Intendant Maxim Gorki-Theater Berlin
- Walter Leimgruber, Professor für Europäische Ethnologie und Projektleiter MAS Museum Studies, Universität Basel
- Moderation: Sibylle Lichtensteiger, Co-Leiterin Stapferhaus Lenzburg
Bis ca 20.30 Anschluss auf die Züge 20.55 Basel, 20.59 Luzern, 21.01 Bern, 21.06 Zürich
Organisation
An-/Rückreise
Mit dem ÖV: bis Lenzburg SBB, ab Bahnhof in 8 Minuten zu Fuss zum Zeughausareal (Ausstellungsbesuch, Wegweiser beachten) oder mit dem Busshuttle aufs Schloss (Tagung).
Busshuttle Zeughausareal-Stapferhaus: 14.00 ab Zeughausareal, 14.05 ab Bahnhof.
Mit dem Auto: A1, Ausfahrt Lenzburg benutzen und den braunen Kulturwegweisern Zeughaus (für die Ausstellung) oder Schloss Lenzburg (Tagung) folgen.
Ausstellungsbesuch vor der Tagung
Bei der Anmeldung bitte vermerken. Die Führung beginnt um 12.45 im Foyer der Ausstellung.
Unkostenbeitrag
Fr. 45.—, bar zu zahlen beim Tagungsempfang, ab 14 Uhr im Stapferhaus auf Schloss Lenzburg
Anmeldung
Bis spätestens 20. Mai unter 062 888 48 12 oder info@stapferhaus.ch Tagungsadresse Stapferhaus Lenzburg, Jenseits der Dinge, Schloss, 5600 Lenzburg 2 info(at)stapferhaus.ch
Sekretariat: Anita Egger, 062-888 48 12
Leitung: Beat Hächler, 062-888 48 09



