FAKE. Die ganze Wahrheit

28. Oktober 2018 bis 24. November 2019

Fake News, Fake-Profile und Fake-Produkte. Konzerne, die schummeln. Sportler, die dopen. Politiker, die nicht die Wahrheit sagen — so viel Fake wie heute war noch nie. Und wir sind mittendrin. Und fragen uns: Was ist echt, was ist wahr und was gelogen? Wem können wir, wem sollten wir vertrauen?

Für die Ausstellung FAKE verwandelt sich das Stapferhaus in das Amt für die ganze Wahrheit. Darin sind wir eingeladen, den Lügen auf den Zahn und der Wahrheit den Puls zu fühlen. Wir haben zusammen zu entscheiden, welche Lügen wichtig, welche nötig und welche tödlich sind.

Die Ausstellung FAKE ist auf Deutsch, Französisch und Englisch.

Eingangsbereich

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Das Amt für die ganze Wahrheit ist eine Behörde neuer Art, in der die Besucher genauso wichtig sind wie die Mitarbeiter des Hauses. Umso dringender, zu Beginn eine kurze Einweisung zu erhalten. Der Chefbeamte lässt es sich nicht nehmen, höchstselbst in einer kurzen Rede über die Brisanz des Themas und die Notwendigkeit des Amtes zu informieren. Bei dieser Gelegenheit kann er sich ein erstes Bild von der Haltung der Besucher gegenüber Wahrheit und Lüge verschaffen. Unter dem Motto «Die Wahrheit braucht Dich!» öffnet er die Türen zu den Fluren seiner Behörde. Dort werden den Besuchern zahlreiche weitere Mitarbeiter begegnen.

Zentrale Lügenanlaufstelle

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Im Zentrum des Amts für die ganze Wahrheit: Hier kommen kistenweise neue Lügen und Behauptungen an, die auf ihre Einschätzung warten. Welche Lüge ist verzeihlich, welche ist tödlich? Welche ist womöglich sogar nötig und welche ist einfach nur lustig? Die Besucher sind eingeladen, möglichst vielen Lügengeschichten in Text, Ton und Film auf den Grund zu gehen. Wie verhält sich der Abgasbetrug zur Lebenslüge eines Menschen? Ist die Schwalbe, die zum entscheidenden Elfmeter führt, akzeptabel, oder sollte man die Betrüger zur Rechenschaft ziehen? Jede neue Einschätzung wirkt sich auf die Gesamtbeurteilung aus, die im Ausstellungsverlauf ständig aktualisiert wird.

Dienststelle für Wahrheitsfindung und -sicherung

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So viele Nachrichten jeden Tag – wie soll man die alle überblicken? Wie kann man sich dagegen schützen, von Falschmeldungen überrollt zu werden? Genau darum geht es in der Dienststelle für Wahrheitsfindung und -sicherung. Hier dreht sich alles um den Faktencheck. Allein oder als Team lernt man anhand von realen echten und falschen Nachrichten, wie man sie effektiv auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft. Nicht immer sind die Ergebnisse eindeutig. Umso wichtiger ist, dass möglichst viele mitarbeiten und jeder seinen Teil dazu beiträgt, damit man so nah wie möglich an die Wahrheit herankommt.

Abteilung für strategische Täuschung

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Nur der Menschen kennt die Lüge. In der Natur dagegen ist alles echt – oder doch nicht? Schliesslich gibt es Tiere, die raffinierte Techniken entwickelt haben, sich fast unsichtbar zu machen oder möglichst bedrohlich zu erscheinen, um den Fressfeind einzuschüchtern. Oder die kleine und grosse Tricks ersonnen haben, um das andere Geschlecht zu beeindrucken und sich damit einen Vorteil bei der Fortpflanzung zu verschaffen. Ziemlich unübersichtlich für Aussenstehende. In der Abteilung für strategische Täuschung kommen einige Tiere selbst zu Wort, die von ihrem Leben zwischen Wahrheit und Lüge berichten. Menschlicher, als man denkt.

Prüfstelle für Fälschungen und ihr Gegenteil

Kunstwerke, Designikonen, Reliquien, Markenartikel – Originale haben ihre ganz eigene Aura. Wer auf eine Fälschung hereinfällt, fühlt sich betrogen, selbst wenn das gefälschte Produkt vom echten nicht zu unterscheiden ist. Die Gründe hierfür reichen historisch weit zurück. Damals wie heute gibt die Unterscheidung zwischen «echt» und «gefälscht» Orientierung – und stabilisiert nicht zuletzt das Rechts- und Wirtschaftssystem. Darüber informiert die Prüfstelle für Fälschungen und ihr Gegenteil. Autor- und Urheberschaft müssen überwacht und kontrolliert, mit Zertifikaten und Prüfmethoden abgesichert werden, damit der Fake nicht überhandnimmt. Nur so können Ideen geschützt werden und kann darauf vertraut werden, dass die Dinge, mit denen wir uns umgeben, echt sind.

Medienstelle für alte und neue Fake News

Auch wenn sie gerade in aller Munde sind: Fake News sind nicht neu. Die Medienstelle für alte und neue Fake News zeigt, dass noch jedes neue Massenmedium von einer doppelten Bewegung gekennzeichnet war. Zum einen hegte man die Hoffnung, durch das neue Medium der Wahrheit näherzukommen: Das Foto zeigt die Realität «echter» als das Buch; die originale Tonaufnahme scheint authentischer als die Stimme eines Erzählers; die CNN-Live-Berichterstattung wirkt unmittelbarer als ein aufwendig produziertes Feature. Zum anderen stellte sich sehr schnell heraus, dass das neue Medium auch neue Möglichkeiten der Fälschung bereithielt. Angesichts des Internets und der sozialen Medien, in denen jeder zum Sender mit eigenen Followern werden kann, stellt sich die Frage nach Freiheit bzw. Kontrolle von Nachrichten besonders nachdrücklich.

Labor für Lügenerkennung

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Körperreaktionen, typische Kopfformen, eine verräterische Mimik – der Traum, durch wissenschaftliche Verfahren unmittelbar erkennen zu können, ob ein Mensch lügt oder nicht, stirbt nicht aus. In manchen Ländern sind Lügendetektoren sogar vor Gericht erlaubt, und in zahlreichen TV-Serien treten Psychologen auf, die an kleinen unwillkürlichen Zeichen des Verdächtigen sehen, ob hier gelogen wird. Im Labor für Lügenerkennung können die Besucher dies selbst erproben, indem sie sich oder ihren Begleiter einem Lügendetektortest unterziehen bzw. versuchen, durch besonders überzeugende Beschreibungen von unwahrscheinlichen Szenen die anderen von ihrer Wahrheit zu überzeugen.

Fachabteilung für Lügenerziehung und angewandte Pinocchio-Forschung

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Das Gebot «Du sollst nicht lügen» begleitet uns das ganze Leben – und doch hält sich kaum einer konsequent daran. Tatsächlich muss man Wahrheit und Lüge erst lernen – so wie Pinocchio, die vermutlich bekannteste lügende Kindergestalt der Literaturgeschichte. Im Lebensverlauf muss man sich immer wieder neu befragen, ob man der Verlockung, sich durch Lügen das Leben – vermeintlich – zu erleichtern, widersteht. Ist es etwa die Angst vor Strafe oder der Glaube an eine höhere Instanz, die man nicht betrügen mag? Oder hilft die grundsätzliche Überzeugung, dass eine Gesellschaft nur dann funktionieren kann, wenn sich alle an das Gebot halten?

Kommission für Glaubwürdigkeit

Keiner kann alles wissen. Jeder ist auf Institutionen und Personen angewiesen, denen man vertrauen kann. Sie helfen dabei, zwischen Wahrheit und Lüge verlässlich zu unterscheiden. Wie gehen diese dabei vor? Und was machen sie, wenn sich selbst einmal nicht ganz sicher sein sollten? Sind sie dann ehrlich und riskieren, dass das Vertrauen in ihre Autorität schwindet, oder versuchen sie, weiterhin Gewissheit auszustrahlen, weil diese am Ende den Einzelfall aufwiegt? Als Teilnehmer der Kommission für Glaubwürdigkeit können die Besucher den spannenden Diskussionen über den professionellen Umgang mit Lügen in unterschiedlichen Berufszweigen folgen: dem Journalist, der Ärztin, dem Pfarrer, der Richterin…

Wir suchen Ihre Lügengeschichte

Erzählen Sie Ihre Lügengeschichte!

meineluege@stapferhaus.ch

Wir lügen jeden Tag: aus Höflichkeit oder im Namen der Freiheit, zum Schutz unserer selbst oder anderer, weil wir feige sind – oder mutig. Für die Ausstellung «FAKE. Die ganze Wahrheit» suchen wir Menschen, die uns ihre Lügengeschichte erzählen: von der Schummelei zur Lebenslüge, von der längst aufgeflogenen Lüge zur noch immer geheimen, von der kreativen und lustigen zur verbotenen und notwendigen. Welche Lüge bereuen Sie – und auf welche sind Sie stolz? Welche hat Ihnen Türen geöffnet? Und welche wurde Ihnen nie verziehen? Eine Auswahl der gesammelten Lügengeschichten ist Teil der FAKE-Ausstellung. Wir behandeln alle Einsendungen mit grösster Sorgfalt. Auf Wunsch bleiben Sie in der Ausstellung selbstverständlich anonym.

Die Ausstellung FAKE wurde realisiert mit freundlicher Unterstützung von:

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